Glocknerwand: Nordwestgrat

Berg Glocknerwand/Hofmannspitze 3715m
Höhenunterschied 900mH
Schwierigkeit AD (Fels bis 3, Firn/Eis bis 45°)
 

Nachdem angefangen vom Wirt bis zu den Einheimischen im Tal, meiner Wetterfee und allen homepages das Wetter für das WE mäßig, und im Allgemeinen für Sonntag noch mäßiger angekündigt wurde, beschlossen wir, nach der Eingehtour am Freitag auf die Schere, die Haupttour des Wochenendes gleich am Samstag zu starten, wo zumindest vormittags das Wetter besser sein sollte.

 

Der wiederholte Konjunktiv lässt es erahnen: nichts wars mit Schlechtwetter am Sonntag, unser Abstieg wurde von blauem Himmel umrahmt - das ist allerdings eine andere Geschichte...

 

Aber zurück zum Samstag: wir waren uns unserer Geschwindigkeit halbwegs sicher, und wollten nicht zugunsten eines frühen Starts völlig auf das Frühstück verzichten. Trotz aller Optimierungsmaßnahmen kamen wir daher erst gegen 6:15 vor die Hütte, und wurden gleich von "mäßigem" Wetter emfpangen, aber immerhin: kein Niederschlag. Mit einer Wolkenbarriere bis knapp unterhalb des Stüdlgrat'schen Frühstücksplatzls gings am Gletscher aufwärts, inmitten einer kleinen Prozession in Richtung Stüdlgrat (einige brauchten viele, viele Stunden, andere schafften es gerade bis zur Adlersruhe - Stüdlgrat bei schlechten Bedingungen...).

Unterhalb des Einstiegs starteten wir zu viert eine lange Linkskurve, denn wir hatten beschlossen, uns nicht aufzuteilen, sondern gemeinsam die Glocknerwand über den Nordwestgrat in Angriff zu nehmen.

 

Nach einige kurzen, aber harmlosen Aha-Erlebnissen in der Spaltenzone unterhalb der Glocknerwand - bei Nullsicht - gings stetig spurend im recht tiefen Neuschnee der letzten Zeit hinauf in den Teufelskampsattel, wo wir von völliger Einsamkeit und totaler Wildnis empfangen wurden... und von zwei Hubschrauberlasten, die wir gleich als Esstisch missbrachten.

 

Am Sattel riss die Wolkendecke zum einzigen Mal am Tag für 10 Minuten auf, und der strahlende Himmel wölbte sich über die herrliche Hochgebirgslandschaft - wundervoll!

Einen Fototermin später zog der Himmel wieder zu, und wir machten uns wetterfest für den Aufstieg über den sehr winterlichen Grat.

Bis zur "Pallaviciniwechte", die sogar da war, einfaches, aber ungut brösliges und harschig überbackenes Gelände, das nicht zu sichern war.

Auf der Wechte dann eine kurze horizontale Passage - sicher sehr fotogen bei gutem Wetter. Gleich danach folgte eine kurze, etwas steilere Stelle, die bei der unsicheren Schneeauflage nicht ganz einfach war...

 

Im Anschluss daran wechselten sich Schneepassagen mit kurzen Aufschwüngen und einigen unangenehm plattigen Abschnitten ab. Durch die Verhältnisse waren wir nicht wirklich schnell, entschieden aber nach kurzer Beratschlagung, dennoch weiterzugehen - was schlussendlich kurz unterm Gipfel war, wie sich zeigte: zwei kurze, steile Stufen später hockten wir zusammen auf dem westlichen Eckpfeiler der Glocknerwand, der Hofmannspitze. Schöne Blicke zum Zackengrat der Glocknerwand waren uns vergönnt, wenn auch witterungsbedingt nur 1-2 Türme weit!

 

Da wir uns schon unbändig auf den Abstieg "freuten", währte die Gipfelpause nicht allzu lang. Als Viererseilschaft am laufenden Seil machten wir uns kurz nach Mittag wieder auf den Weg in den Teufelskampsattel. Einige Seilmanöver später - ohne die Schneeauflage kam manch eine Platte zu Tage - waren wir wieder auf der "Palla-Wechte". Bis hier waren wir im Aufstieg durch die Flanke gekommen, hinunter nahmen wir aber die sicherere Linie direkt am wenig überwechteten Grat. Alles super, sogar windstill bei leichtem Schneefall. Nur: perfekter Schnee zum Anstollen! Also aufgepasst und immer wieder "Klopfpausen", auch auf dem langen Rückweg am Gletscher, der reibungslos und ohne Zwischenfälle wieder zur mittlerweile recht leeren Stüdlhütte zurückführte.

 

EB Samstag 05-10-2013